POLISH
VLADIMIR VYSOTSKY'S
MUSEUM IN KOSZALIN
Wladimir Wyssozki: "In Polen wird sein Schaffen geliebt und geschätzt, wie früher"

Es sind 20 Jahre her, seit in Koszalin das Wladimir-Wyssozki- Museum, das erste ihm gewidmete Privatmuseum in der Welt, eröffnet wurde. Inzwischen ist es weit über die Grenzen der Republik Polen bekannt. Übrigens hat alles, wie die Begründerin und die ständige Leiterin dieser Kulturstätte, Frau Marlena Zimna, behauptet, nicht etwa vor 20, sondern vor 30 Jahren begonnen.

Nachstehend, was sie Irina Tschajko, per Telefon erzählt hat:

Das stimmt auch, alles hat damit begonnen, dass meine Mutter die Zeitschrift ‚Weltliteratur’ nach Hause brachte. Ihr Oktoberheft für 1984 war, wie ich mich erinnern kann, ganz Wladimir Wyssozki gewidmet, mit dessen Bild auf der Umschlagseite und mit seinen Gedichten in polnischen Übersetzungen. Und so habe ich zum Unterschied von der Mehrheit seiner Anhänger Wyssozkis Poesie nicht etwa über den Ton, nicht über Tonbandaufzeichnungen, sondern gleich durch das gedruckte Wort wahrgenommen! Für mich, eine Halbwüchsige, war es ein gewisser Kulturschock, der Boden schwand mir unter den Füßen, während die Seele in die Höhe strebte! Dieser Augenblick hat mein weiteres Leben bestimmt.

Nach dem Gymnasium reiste ich nach Moskau und nahm ein Studium an der Lomonossow-Universität auf. Ich studierte an der philologischen Fakultät Russisch und russische Literatur, um das Schaffen meines Idols besser zu verstehen. Das Studium lief mir flott von der Hand, ich absolvierte sogar die Aspirantur. In den sieben Jahren, die ich in Moskau lebte, gewann ich gute Freunde und sah mir sämtliche Aufführungen des ‚Taganka-Theaters’ an

Wyssozki lebte nicht mehr, doch ich hatte Glück, viele seiner Freunde zu treffen, ich war in der Wohnung der jungen Schauspieler Swetlana Swetlitschnaja und Wladimir Iwaschow, in der Wyssozki oft verweilt und zur Gitarre gesungen hatte, während sie sein Gesang auf Tonband festhielten. Dort hörte ich solche seiner Lieder wie ‚Der Segel’ und ‚Gemeinschaftsgräber’ zum ersten Mal.

Nach Koszalin zurückgekehrt, gab ich mein erstes Buch ‚Wyssozki: zwischen Leben und Tod’ heraus. Bei seiner Präsentation fragten mich Leser: ‚Und was soll nun mit den von Ihnen zusammengetragenen interessanten Unterlagen geschehen, die mit dem Leben und dem Schaffen des großartigen russischen Dichters, Liedermachers und Schauspielers verbunden sind? Warum sollten Sie diese nicht irgendwo an einem passenden Ort ausstellen?’ Ich machte mir Gedanken darüber, und dann beschlossen wir, meine Mutter und ich, direkt in unserer Wohnung ein Zimmer für das Museum bereitzustellen! Das war das zweite wichtige Moment in meinem Leben.

Und in diesem Jahr, als wir das 20jährige Jubiläum des Museums, bereits nicht mehr in unserer Wohnung, sondern in einem separaten Gebäude in der Anders-Straße begingen, da wurde auch das Wyssozki-Institut in Koszalin für die wissenschaftliche Arbeit eröffnet. Kommen doch ins Museum Besucher, und man muss ihnen nicht nur vieles zeigen, sondern das auch erklären! Und im Institut herrscht Stille: da wird energisch wissenschaftliche Arbeit geleistet. Wir stehen über das Internet mit Forschern des Schaffens von Wyssozki in verschiedenen Ländern in Verbindung, arbeiten viel in Archiven und teilen unsere Funde mit Kollegen. So haben wir unlängst in London die einmalige Aufzeichnung einer Probe zum Stück ‚Hören Sie!’ nach Gedichten von Wladimir Majakowski gefunden. Das Stück unter Mitwirkung von Wyssozki lief vor langer Zeit. In Moskau hatte man diese Aufzeichnung nicht, so dass wir unseren Fund gern mit dem Moskauer Museum teilten.

Übrigens, Einwohner von Warschau erinnern sich sehr wohl an das Gastspiel des ‚Taganka-Theaters’ im Jahre 1980, zwei Monate vor Wyssozkis Tod. Er hat Hamlet mit eine solchen Tragik verkörpert, dass dies alle, die zu dieser Aufführung gekommen waren, förmlich erschütterte.

Jawohl, in Polen gedenkt man seiner und liebt ihn nach wie vor. Erst vor kurzem verlief im ‚Neuen Theater’ von Krakow bei vollem Haus die Uraufführung des Stücks ‚Wyssozki: Rückkehr in die UdSSR’ In Warschau aber läuft auf der Bühne des Theaters ‚Polonia’ schon seit vielen Jahren die Aufführung ‚Wladimir Wyssozki: Paradiesäpfel’. Jerzy Sanatowski hat mit jungen Schauspielern die Vorstellung ‚Launische Pferde’ geschaffen, mit der sie in ganz Polen gastieren. Dann ist in der Republik Polen ein kleine Gruppe von jungen, begabten Schauspieler aufgekommen, die das ‚Vaganka-Theater’ ins Leben gerufen hatten. Hier ist ein Anklingen an das ‚Taganka-Theater’ in Moskau nicht zu überhören! Doch das eine ist interessant: Bei Vaganka handelt es sich nicht etwa um ein frei erfundenes Wort, sondern um eine Gegend bei Warschau.

Überhaupt erscheinen in Polen ziemlich oft CDs unserer bekannter Künstler, die Wyssozkis Lieder, jeder auf seine Art und Weise, zum Besten geben. Hier könnte man Maciej Maleczuk und Andrzej Koakowski nennen, die im Schaffen des Dichters aus Russland etwas finden, was ihnen sehr nahe ist. Wohl empfinden sie eine Gemeinsamkeit der Auffassung sowohl von der Seele des Menschen als auch von den Ereignissen in der Welt von heute. Ich höre in jeder ihrer Darbietung den besonderen nicht nachvollziehbaren Tonfall von Wladimir Wyssozki mit.

WLODZIMIERZ WYSOCKI - PARADE DER MUSEEN

W Museum

Im Städtischen Kulturzentrum in Koszalin in der Zwycięstwa-Straße 105 wurde die Ausstellung „Wysocki - Parade der Museen” eröffnet, auf der man u.a. die Gitarre, auf der Wlodzimierz Wysocki während seines einzigen afrikanischen Konzerts im April 1976 in Casablanca spielte, die berühmte Lederjacke des russischen Barden und 900 andere Exponate wie Handschriften, Autogramme, Zeichnungen, Fotografien, persönliche Dinge des Dichters, besichtigen kann. Der Veranstalterin der Ausstellung, Dr. Marlena Zimna, die Verfasserin des Buches „Wer tötete Wysocki?”, führte eine Rundfrage in 24 Museen aus aller Welt durch. Darüber hinaus wurde die Ausstellung durch Sammlungen aus 28 Privatkollektionen bereichert. Die Exposition macht deutlich, welch große Reichweite die Legende des Künstlers hat. Auf Portweinetiketten steht das Zitat: „Schöner als die Berge sind nur die Berge, / Die, die niemand bestieg”, Tee heißt „Wysocki Black Label”, Eintrittskarten laden zum Wysocki-Boxturnier ein. Die Reflexionen von Marina Vlady betreffen den Planeten Wysocki. Das Sexangebot zweier umtriebiger Girls nutzt das Zitat aus den „Ereignissen unterwegs”: „Wir sind in Größe und Gesicht sehr hübsch gelungen / Das danken wir Mutter und Vater”. Das Angebot endet mit dem üblichen „Ruf an, überzeuge dich selbst...” Daneben liegen das Prospekt eines norwegischen Reisebüros, das zu einem Ausflug „Auf Wysockis Spuren” einlädt., das Foto der Figur des Künstlers aus dem Wachsfigurenmuseum in Moskau, die in den Vereinigten Staaten erschienene Sammelausgabe der Gedichte des Poeten, zahlreiche Briefmarken mit seinem Bildnis, Ex Libris, Illustrationen zu seinen Liedern. Weiterhin Theaterplakate von Stücken über Wysocki aus New York und London, Stockholm und Warschau, Krakaus und Danzig (Gdansk), Slupsk und Zgierz. Im nächsten Schaukasten befindet sich eine Verordnung des Moskauer Bürgermeisters Lushkow vom Juni 1995 über den Bau eines Wysocki-Denkmals am Peterstor. Die Ausstellung wird bis zum 12. Januar geöffnet sein.


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